Das Buch im Buch - "Der andere Schlaf"


Wer "In Love with Adam" schon gelesen hat, der wird wissen, welcher Titel sich hinter dem ominösen Buch versteckt, das Sam aus dem Buchladen mitnimmt. Ich wette, nur ein Bruchteil der Leute wird jemals von diesem dünnen Heftchen gehört haben, das auf Amazon gerade einmal 6 Rezensionen mit einem Durchschnitt von 3,5 Sternen verzeichnet. Warum hat mich also gerade dieser Roman maßgeblich beeinflusst und warum habe ich ihn sogar mit in die Handlung einfließen lassen?


Zunächst einmal fällt Sam dieses Buch wie durch Zufall in die Hände und dieser abgegriffene Band besitzt weder einen Namen auf dem Buchrücken, noch einen Klappentext. Er entscheidet sich trotzdem für dieses Überraschungsei und wird nicht enttäuscht. Ob "Der andere Schlaf" nun ein außerordentlich gutes Buch ist, darüber lässt sich streiten (ich für meinen Teil fand es wirklich schön und vor allem besonders), es ist allerdings genau das, was Sam in diesem Moment braucht. Viel zu selten lesen wir heutzutage spontan ein Buch, von dem wir noch nie etwas gehört haben. Wir betreiben gründliche Recherche zum Autor, seinem Gesamtwerk und zum Titel selbst, studieren den Klappentext, verlieben uns in das Cover und meist sind wir nicht besonders experimentierfreudig, wenn es um Genre geht. Warum sollten wir riskieren, enttäuscht zu werden, wenn wir uns an etwas Neues wagen? Viel einfacher ist es doch, beim Altbewährten zu bleiben.

"Der andere Schlaf" habe ich vor einigen Jahren secondhand erstanden und kannte weder den Autor, noch wusste ich auch nur ansatzweise, worum es geht. Ich war absolut überrascht, als sich herausstellte, dass es eine Geschichte über einen homosexuellen Jungen ist, der sich auf dem Weg der Selbstfindung befindet.

Lange Rede, kurzer Sinn. Was will ich eigentlich damit sagen? Dass wir einmal öfter über den Tellerrand hinausschauen sollten, weg von all den Büchern, die uns angepriesen werden, weg von den bunten Covern, die uns fleißige Designer erstellen. Ja, auch diese Bücher sind schön, aber wir verpassen so viel Gutes, wenn wir unseren Blick nicht auch einmal nach links und rechts schweifen lassen.


Für diejenigen, die sich für "Der andere Schlaf" interessieren, habe ich hier einmal den Klappentext: Der zarte achtjährige Arztsohn Denis ist ein Außenseiter. In der von Melancholie und vom Eingeständnis des Scheiterns geprägten Atmosphäre seines Elternhauses kann er keine Wärme finden. Nur sein fünf Jahre älterer Cousin Claude, ein Waisenkind, lebenstüchtiger, aber verschlossen und zu bedrohlicher Gewalttätigkeit neigend, übt eine rätselhafte Anziehungskraft auf ihn aus. Dieser frühe Roman Julien Greens erzählt nicht nur die Geschichte einer Knabenliebe. Beschrieben wird das Ende einer Kindheit, die Ablösung vom Elternhaus und der Prozess der Selbstfindung. (Quelle: Amazon)


Apropos, diesen Beitrag schreibe ich auf der Terrasse, während der Wind durch die Baumkrone des Kirschbaumes fegt und weiße Blütenblätter davonträgt. Einfach wunderschön.







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