Eisprinz und Herzbube


Autor: Elena Losian

Verlag: MAIN- Verlag

Preis: 16,90 € (Broschiert), 6,99 € (eBook)

Seiten: 448 Seiten

Genre: Jugendbuch

Altersempfehlung: 14 Jahre

Leseprobe: -- HIER---


✫✫✫✫✫ STERNE


Klappentext 

Es gibt drei Dinge, von denen Emilio überzeugt ist. Erstens: Der Lebensgefährte seines Vaters ist ein Sadist und Meister darin, ihn zum Explodieren zu bringen. Zweitens: Die Schule und ganz besonders seine Mitschüler sind einfach mal total für den Arsch. Und drittens: Der schwule Schulsprecher Nicholas ist der arroganteste Kerl unter der Sonne. Emilios ohnehin nicht allzu langer Geduldsfaden wird ein bisschen zu heftig strapaziert, als er durch ein Missverständnis mit Nicholas aneinandergerät – und ein ungewollter Kuss alles verändert ...


Handlung / Stil

Der Klappentext verrät zwar schon eine ganze Menge und doch viel zu wenig, denn es handelt sich hierbei nicht um eine simple Lovestory. Losian hat hier eine ganz eigene Welt erschaffen, die viel mehr bietet, als eine Coming out Geschichte. Sie hat ein gut durchdachtes Umfeld mit 5 männlichen Hauptcharaktern geschaffen: Milo, Etienne, Nick , Phil und Julian geschaffen. Schön fand ich, dass die Geschichte so lebensecht erzählt wurde, im Sinne von "jeder hat sein Päckchen zu tragen." Denn genau dieses Motiv wird hier aufgegriffen und damit bleibt die Story und besonders die Charaktere alles, aber nicht oberflächlich. In allen drei Familien gibt es mehr oder weniger sehr heftige Krisen. 

Ein einigen Stellen, gab es auch Dinge, die mir ein bisschen "too much" waren. Mit der ein oder anderen Intrige weniger hätte ich zum Beispiel gut leben können. Ich fand es auch nicht sooo realistisch, dass gefühlte 90 Prozent in Emilios Leben schwul waren. Ab einem gewissen Häufigkeitsgrad wirkt das leider einfach unglaubwürdig wirkt. Darüber konnte ich allerdings gut hinwegsehen, da die übrigen schwulen Charaktere kaum auftauchen oder nur am Rande erwähnt werden.

Die ersten Kapitel waren für mich die spannendsten! Es war richtig amüsant zu verfolgen wie sich Milo und Nick zunächst triezen und dann immer mehr daraus wird. Der einzige Nachteil an dem Buch: Die letzten Seiten, besonders der Epilog scheint mir ein bisschen aus dem Kontext gerissen. Er hätte für mich nicht sein müssen und erinnert hier an den Versuch, alle Probleme aufzulösen und alle Fragen zu beantworten. Ein Happy End in groooßem Umfang. Das ist natürlich ein ganz persönlicher Geschmack, deswegen werde ich dafür an dieser Stelle keine Abstriche machen. Dafür, dass der Roman aber so realistisch war, wäre ich auch ohne Epilog ausgekommen.

Den Schreibstil von Losian fand ich richtig gut. Meist ist es genau das, woran ich mich bei Gay Romance stoße. Er hätte auch in einem Jugenbuchverlag erscheinen können, denn anders als in vielen Romanen dieser Sorte, ist die Sprache sehr gefühlvoll und in keiner Weise anstößig. Alles ist richtig toll und flüssig geschrieben, mit vielen Details gespickt,  dabei immer nah an der Sprache der Jugendlichen und mit vielen lustigen Episoden geschmückt.


Charaktere

Emilio ist ist ein liebenswerter, aber ziemlich aufbrausender Junge von 15 Jahren; er steckt also mitten in der Pubertät und der Selbstfindungsphase. Das Hauptaugenmerk des Buches liegt auf dessen Gefühlen und Gedanken, wenn auch der Handlungsstrang wirklich sehr gut war. Emilio ist auf jeden Fall eine Figur, die mir ans Herz gewachsen ist und die ich nicht mehr so schnell vergessen werde. So liebevoll wie sein Charakter ausgearbeitet wurde, verfährt es auch mit den übrigen Protagonisten. Losian scheint ein Händchen dafür zu haben, Charaktere ins Leben zu rufen und ihnen eine Seele einzuhauchen. Auch Nick blieb kein unbeschriebenes Blatt. Die "Neben"figuren wie Phil, Julian, und Ettiene wurden ebenfalls so detailgetreu ausgestaltet, dass ich sie leibhaftig vor Augen hatte. Mein absoluter Liebling in diesem Roman ist Phil, denn wer will nicht auch so einen tollen Vater haben. Es wird euch bestimmt genauso ergehen! Als Figur bleibt mir lediglich Milos leiblicher Vater verschwommen, den habe ich nicht so richtig zu fassen bekommen. Ein bisschen rätselhaft blieb er mir bis zum Ende schon. Vielleicht auch Milo und gerade deswegen ist Phil seine engste Bezugsperson?


Fazit

Selbst wenn ich es gerne würde, es bleibt mir unmöglich, die Geschichte kurz und knapp in all ihren Facetten wiederzugeben. Sie ist so unglaublich facettenreich und wird zu einem eigenen kleinen Universum, in das der Leser eintauchen kann. Es gibt witzige Passagen, die alle Probleme vergessen lassen, Abschnitte in denen man am liebsten mit den Figuren weinen möchte, gefühlvolle, zärtliche Situationen und auch Momente, in denen Wut, Verzweiflung und Angst spürbar sind.  Nicht nur die Liebe ist hier ein zentrales Thema, sondern auch Selbstfindung, Coming Out, die ersten Erfahrungen in der Liebe, Vertrauen, ehrliche Freundschaft und Familie.  Die Geschichte wird so komplex wie das Leben selbst. Für mich eines der besten Bücher aus diesem Genre, die ich bisher gelesen habe und ich wünsche mir wirklich sehr, dass ihm mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.




5 Ansichten
This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now