"Jeder kann studieren...", haben sie gesagt.


Hallo ihr Lieben, 

und danke an alle, die bei der Umfrage auf Instagram teilgenommen haben. Das zeigt mir, dass ihr doch relativ viele Fragen habt  und vor allem Interesse an dem Thema besteht. Deswegen möchte ich heute meine Erfahrungen mit euch teilen, um euch einen Einblick zu geben, wie es mir ergangen ist. 



Ich werde ehrlich mit euch sein, wie ich es immer bin. Ich habe meinen Master lediglich gemacht, um die Zeit zu überbrücken, bis René mit seiner Ausbildung fertig ist, da wir ja ohnehin geplant hatten, umzuziehen. Es hätte in meinen Augen einfach kein Sinn gemacht, eine Stelle für 1,5 Jahre anzunehmen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich hier in Meersburg irgendetwas Vernünftiges gefunden hätte, war verschwindent gering. Ich habe mich also für den Masterstudiengang Germanistik entschieden (mehr zum Studieninhalt findet ihr HIER). Die Dozenten auf der Universität Konstanz, die den Fachbereich Mediävistik bedienen, sind unheimlich toll und zählen vermutlich zu den besten auf dem Gebiet. Es war immer unheimlich spannend und doch... Von der Studienordnung fand ich den Master sogar noch unstrukturierter als den Bachelor. Das ist natürlich von Uni zu Uni verschieden, aber ich habe mir mein Studium anders vorgestellt. Dass ich endlich das lernen kann, was ich will. Im Endeffekt habe ich zu einem großen Teil wieder das eingetrichtert bekommen, was mich nicht interessiert, denn die meisten Seminare im Master sind Pflichtseminare, das heißt man kann sie sich nicht aussuchen und muss sie besuchen. Dann kann schon einmal passieren, dass man zum aberdutzendsten Mal einen Kurs über die Literatur der NS Zeit besuchen muss und ich kann euch sagen, mir hing dieses Thema schon nach dem Abi zum Hals raus und es hatte einfach rein gar nichts mit meinem Schwerpunkt zutun, der sich mit mittelalterlicher Literatur beschäftigen sollte. Das fand ich enttäuschend. 

Was ich einmal werden wollte, wenn ich groß war...

Was ich mit meinem Studium anfangen wollte, wurde ich seit dem ersten Semester gefragt und ich habe immer enthusiastisch geantwortet, dass ich in den Verlag, Zeitung oder etwas mit TV machen möchte. Ich habe dann ein paar Praktika gemacht, Schlüsselqualifikationen besucht und so weiter, um herauszufinden, dass Zeitung nichts für mich ist. Natürlich hatte ich schon früh den Traum irgendwo in den Verlag zu gehen, aber ich kann euch sagen:Die Verlage sind bekloppt und das meine ich ernst, keiner ist davon ausgenommen. Für ein Praktikum sollst du am besten schon mehrjährige Berufserfahrung mitbringen, mehrere Sprachen sprechen, bereits Erfahrungen im Lektorat gesammelt haben und die Volontariate werden eher dürftig bezahlt. Es ist mir immer noch ein Rätsel warum ich nicht zu einem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, denn mein Bachelorabschluss lag unter 2,0, ich hatte einen baldigen Masterabschluss und langjährige Berufserfahrung im Buchhandel, und entsprach auch allen anderen Anforderungen. Man hielt es nicht einmal für nötig, mir auf meine Bewerbungen zu antworten, sie verschwanden im schwarzen Loch und das ganze Bewerbungs-  verfahren verlief im Sande. Es war frustrierend und ich habe an mir selbst gezweifelt. Das war eine schwere Zeit für mich und ich habe alles in Frage gestellt. 

Jetzt weiß ich, ich BIN gut genug, ich ERFORDERE alle Voraussetzungen, ich KANN etwas. Wenn man das nicht zu schätzen weiß, dann muss man ohne mich auskommen 😎. Wenn ihr also etwas in den Geisteswissenschaften (nicht auf Lehramt) studieren wollt, legt euch ein dickes Fell zu und lernt damit, mit Rückschlägen zurechtzukommen. Die wenigsten machen am Ende das, was der Fachbereich einem verspricht und in eurem Traumberuf Fuß zu fassen -ich vermute stark, dass das bei den meisten von euch Bücherwürmen das Lektorat oder generell der Verlag ist- ist reine Glückssache.

Was ich jetzt mache...

Gut, habe ich dann gesagt und mit dem Thema recht schnell abgeschlossen und mir die Frage gestellt, worin ich wirklich gut bin und was mir Freude bereitet. Vor einem Jahr habe ich meinen Account Mr.Exlibris ins Leben gerufen und verbringe seither einen Großteil meiner Zeit damit, Beiträge zu verfassen, Bilder zu machen, mit der Community in Verbindung zu stehen, mich mit Agenturen und Verlagen auszutauschen, Werbung für Novitäten zu machen. Und ich gehe darin auf! Das ist es, was ich kann! Das ist es, worin ich mich weiterentwickelt möchte, denn ich halte die Social Media Platformen und den Austausch, der dort stattfindet, für super wichtig und gehaltvoll. 

Ich habe also komplett umgedacht und mich im Markting und Social Media Bereich umgesehen. Auch hier ist es üblich, ein sogenanntes Traineeprogramm zu machen, das im Grunde vom Sinngehalt auch nicht viel anders als ein Volontariat ist. Ich habe mir einige Stellen herausgesucht und mich darauf beworben, hauptsächlich in Hamburg, denn wir wollten ja ohnehin dorthin ziehen. 

Und siehe da! Hier kamen die ersten positiven Rückmeldungen, man wollte mich kennenlernen, man sagte mir, dass den Recruitern meine "Arbeit" auf Instagram und mein "öffentlicher Auftritt" im Internet gefällt und das obwohl ich nicht einmal Marketing oder ähnliches studiert habe. Das hat mein kleines Herz natürlich höher schlagen lassen. 

Bei insgesamt zwei Bewerbunsgesprächen war ich gewesen, bei dem einen wusste ich gleich danach, dass es nicht passt, bei dem anderen habe ich gehofft und gebangt, denn ich wollte unbedingt Teil des Teams werden. Insgesamt 1,5 Stunden habe ich mich mit dem Chef unterhalten, über die Agentur, über meinen Instagramaccount... es war einfach unheimlich erfrischend und toll sich mit jemandem über diese Dinge auszutauschen, zu hören, dass meine Arbeit gewürdigt wird und dass ich super auf die Stelle passen würden. Ich werde diese Stelle im Oktober annehmen und ganz ehrlich, ich freue mich echt darauf! Apropos... auch das Gehalt im Traineeprogramm, das nur halb so lang geht wie ein Volontariat, ist fast doppelt so hoch als bei einem Verlag. Soviel zur Vergütung, denn das ist ja ein nicht unwichtiger Punkt. 

Was ich also empfehle...

Man behauptet immer und überall, dass es jedem möglich ist, zu studieren. Prinzipiell ja, nur rechnet damit, dass ihr hohe Schulden auf euch nehmen müsst, wenn ihr von euren Eltern nicht unterstützt werden könnt. Faktum ist, wer aus reichem Haus kommt, hat einen besseren Abschluss. Das ist so und wird erst einmal so bleiben. Denn wenn ihr keine finanzielle Unterstützung bekommt, müsst ihr neben dem Studium arbeiten gehen und das nicht wenig, das heißt im Umkehrschluss ihr habt weniger Zeit zum Lernen, zieht das Studium deswegen vielleicht in die Länge... Deswegen macht euch schon vorher bewusst, was ihr studieren wollt und mit welchem Abschluss. Lehramtler haben zum Beispiel bessere Aussichten als ein Absolvent mit einem "einfacher" Bachelor oder Master. 

Natürlich empfehle ich trotzdem ein Studium, denn es geht mehr um das Studieren an sich, als um das, was man studiert hat. Das Studium war auf jeden Fall eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte, ob es mir etwas für meinen weiteren Lebensweg gebracht hat, daran zweifel ich noch ein bisschen. 

Noch ein abschließender Tipp: Seht ihr dem Ende des Studiums entgegen, nutzt die Gelegenheit und geht zum Arbeitsamt, um ein arbeitssuchend zu melden. Aus Erfahrungen, und das kann vermutlich jeder bestätigen, brauchen Ämter einfach immer ein gefühltes halbes Leben, um Anträge zu bearbeiten. Ihr könnt euch auch schon 3 Monate vor dem Ende eures Studiums arbeitssuchend (nicht arbeitslos) melden und bekommt dort ein Beratungsgespräch, Jobvorschläge und Hilfe. Außerdem habt ihr somit eine Chance, einfacher und schneller an Arbeitslosengeld zu kommen, wenn ihr für 2 oder 3 Monate nach dem Studium immer noch nichts gefunden haben solltet und keine finanzielle Absicherung habt. Greift auf diese Maßnahme zurück, es wird euch keiner verübeln.

Nun bin ich einfach super froh, dass ich mich verwirklichen kann und die Chance habe, das zu machen, worauf ich wirklich total Lust habe! 


Wenn ihr Fragen, Anregungen oder ähnliches habt, schreibt mir einfach auf Instagram und ich wir können uns darüber austauschen!💓

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