Rezension | Nennt mich Nathan

Aktualisiert: Jan 16

Titel: Nennt mich Nathan | Autor: Catherine Castro | Preis: 22€ | Illustrator: Quentin Zuttion | Verlag: Splitter Verlag | Erscheinungsdatum: 22.05.2019 | Seitenzahl: 144



Klappentext

Lilas Kindheit ist perfekt bis zu dem Tag, an dem ihr Körper ihr und der ganzen Welt die ersten unmissverständlichen Zeichen sendet, dass sie zur Frau wird. Denn Lila ist die einzige, die weiß, dass sie in Wirklichkeit ein Junge ist. Ihre »weibliche Identität«, diesen Fremdkörper, kann sie nicht akzeptieren. Mit sechzehn Jahren entscheidet Lila sich, Nathan zu werden. Mit der unerschütterlichen Unterstützung seiner Familie, seiner Freunde und Lehrer und mit unzähligen Testosteronspritzen nimmt Nathan die Herausforderung an, die genetische Lotterie des Lebens zu korrigieren, um endlich er selbst zu sein. Eine einfühlsame, fiktive Biographie, die auf einer wahren Geschichte basiert.




Meine Meinung

Zu Anfang möchte ich etwas loswerden: Ich bin immer wahnsinnig dankbar, wenn Verlage Themen aufgreifen, die möglicherweise nur eine kleine Zielgruppe ansprechen, die aber dennoch unglaublich wichtig sind. Sie haben es verdient, gesehen und gehört zu werden. Mein Dank gilt an dieser Stelle dem Splitter Verlag, der diesen Titel in seinem Programm aufgenommen hat und ihn mir dankenswerter Weise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.



Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht. Der Leser lernt die Protagonistin Lila kennen, die uns von dem Tag erzählt "an dem der Ärger anfängt." Schon früh wurde ihr bewusst, dass sie nicht gerne Kleider trägt, dass sie sich zu Weihnachten ein Taschenmesser statt einer pinken Tasche wünscht... Als sich dann auch noch ihr Körper zu verändern beginnt, wird ihr klar, dass dieser Körper nicht zu dem passt, was sie empfindet. Geist und Körper wollen einfach nicht zusammenpassen.

An manchen Stellen ganz subtil, an anderen dafür sehr drastisch und deutlich wird dem Leser verdeutlicht, wie sich diese Diskrepanz für Lila anfühlt. Die Bilder sind in einem recht einfachen Stil illustriert, der Fließtext zu den Bildern nur spärlich gesät und doch steckt in jeder einzelnen Seite so viel Aussagekraft, dass man ganz schnell in dieser Geschichte abtaucht und alle Höhen und Tiefen miterleben kann. Besonders die metaphorisch umgesetzten Gefühle von Lila, die von nun an Nathan genannt werden möchte, haben mich ergriffen, denn sie bringen das emotionale Durcheinander wunderbar auf den Punkt. Die Geschichte von Nathan wurde durch diese Szenen, die tief unter die Haut gehen, sehr greifbar und ehrlich. Selten habe ich eine so gute Umsetzung dieses Themas gesehen.


Diese Graphic Novel befasst sich allerdings nicht nur mit der Transidentität selbst, sonder auch mit der darauf folgenden Geschlechtsangleichung von Nathan, zusätzlich werden auch sensible Themen wie selbstverletzendes Verhalten oder auch der Umgang mit der eigenen Sexualität angesprochen. Auf subtile Art und Weise zeigt die Geschichte dadurch, dass Lilas Zuneigung zu ihrer Klassenkameradin keine lesbische Liebe ist, denn schließlich ist sie nicht lesbisch. Obwohl ihr Körper über weibliche Geschlechtsmerkmale verfügt, ist Lila kein Mädchen.


Ich fand es zudem sehr schön, dass man nicht nur die Freunde Nathans kennenlernt, die dem Thema offen gegenüberstehen, sondern auch einen Eindruck in die Gefühlswelt der Familie bekommt. Zum einen die Mutter, die dem ganzen zwar positiv gegenübersteht, aber doch ihre Bedenken hat, zum anderen der Vater, der sich nur schwer mit diesem Gedanken anfreunden kann, dass seine Tochter ein Sohn ist.


„ Ich möchte eine Jungsfrisur.“ „So kurz? Bist du dir sicher? Das ist doch schade, oder? Bei den schönen Haaren… Außerdem ist es nicht sehr feminin.“ – Nennt mich Nathan | Seite 50

Diese Graphic Novel, die auf einer wahren Geschichte beruht, konzentriert sich auf die inneren, aber auch äußeren Konflikte des Protagonisten Nathan. Auch für Leser, die nicht das gleiche Schicksal teilen, ist dieses Buch ungemein lehrreich. Nennt mich Nathan" hat mich tief bewegt und daher ist dieser Comicroman nicht nur ein absolutes Herzensbuch, sondern zählt zudem zu meinen Jahreshiglights.


Herzensbuch






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