Shinrin Yoku



Im September 2013 bin ich aus Köln in das wirklich sehr schöne Meersburg gezogen. Dort wohnte ich zunächst in einer kleinen 1-Zimmer Wohnung in einem alten Hotel und Konditorei. Jeden Morgen wurde ich vom Duft von frisch gebackenen Kuchen begrüßt. Leider gab es zu viele Nachteile, als dass diese kleinen Freuden, das Landleben besser gemacht hätten. Kurze Zeit später sind René und ich dann zusammengezogen, in eine nette kleine 2-Zimmer Wohnung direkt in der Altstadt. Klingt romantisch. Ist es aber eher weniger. Im Sommer ist es uns kaum möglich sonntags mal frische Brötchen auf dem Tisch zu haben, denn durch den Tourismus sind die Regale der Bäckerei schon um 9 Uhr morgens restlos leergefegt. 



Früher war ich immer im Glauben gewesen, ich sei ein Landei, denn die Stadt war mir oft zu laut, die vielen Menschen um mich herum störten meinen Flow. Der Bodensee ist natürlich genau der richtige Ort für Menschen, die ihren eigenen Raum brauchen, aber genau hier liegt leider auch das Problem. Als "Zugezogener" wird es einem nicht besonders leicht gemacht, Teil der Nachbarschaft zu werden und dort jemanden kennenzulernen. Ich bin durch Köln etwas ganz anderes gewohnt. Da wird man überall herzlich begrüßt, man lacht und man erzählt miteinander. Und selbst, wenn es einem manchmal etwas unangenehm ist, dass die Kölner so offen und herzlich sind, dann begrüße ich das doch mehr als in sich gekehrte, misanthrope Eigenbrödler. 

Ich bin also froh, wenn ich wieder ein Teil der Stadt werden kann, wo alles gut erreichbar ist, wo ich mir mal eine Pizza holen kann, wenn ich Lust darauf habe, wo ich irgendwelchen Freizeitaktivitäten nachgehen kann. Solche Möglichkeiten bietet das Leben am Bodensee für mich kaum. Den See werde ich allerdings sehr vermissen und bin daher froh, dass wir in Hamburg Wasser haben und es nicht allzu weit zum Meer ist. 

Und obwohl ich nun nach diesem Selbstexperiment erkannt habe, dass ich wohl ein Stadtmensch bin, brauche ich die Natur für meinen inneren Ausgleich. Genau hier setzt das neue Buch von Annette Lavrijsen "Shinrin Yoku" an. 



Autor/in: Annette Lavrijsen

Titel: Shinrin Yoku - Waldbaden. Die heilende Kraft der Natur

ISBN: 9783785726358 

Verlag: Bastei Lübbe

Einband: Hardcover

Preis: 16,00€


Shinrin Yoku ist japanisch und bedeutet übersetzt „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“ – oder kurz „Waldbaden"


Klappentext

In Japan ist Shinrin Yoku, das Baden in der Waldluft, bereits anerkannte Therapie gegen körperliche und psychische Leiden – und die Wissenschaft bestätigt ihre Wirksamkeit. Zu Shinrin Yoku gehört aber auch, sich emotional auf den Wald einzulassen, denn wir können von der Natur viel lernen, etwa über unseren Hang zu Perfektion und Schönheit, das Wertschätzen der Gegenwart oder unseren Umgang mit Vergänglichkeit. Annette Lavrijsen bringt uns mit leichter Hand wissenschaftliche und philosophische Hintergründe von Shinrin Yoku nahe und schlägt eine Brücke zwischen europäischer Waldliebe und japanischer Kultur.


Meine Meinung

Mir persönlich hat das Buch so unglaublich viel gegeben. Ich gehe sehr gerne spazieren, schalte ein bisschen ab. Aber im Unterschied zu einem "normalen" Spaziergang geht es beim Waldbaden um viel mehr. Während ich mir beim Spazierengehen über dies und das Gedanken machen, versuche neue Ideen für bestimmte Dinge zu sammeln oder mich auch unterhalte, hält sich der Mensch beim Waldbaden für eine bestimmte Zeit im Wald auf ohne ein Ziel zu haben. Das heißt, wir  werden ein Teil des Waldes, baden in seiner Atmosphäre und dazu müssen wir nichts können oder leisten, nur Da-Sein.

"Wenn man die Natur wahrhaft liebt, so findet man es überall schön." Vincent van Gogh

Wir lesen nicht nur die unglaublich spannende und lehrreiche Geschichte darüber, wie die Autorin zum Shinrin Yoku gekommen ist und für dessen Studium extra nach Japan gereist ist, sondern zu Anfang bekommen wir auch einen guten Eindruck, was für physische Leiden Hektik, Lärm und Stress bei uns auslösen können. Anhand von dem alten Wissen der japanischen Kultur betrachtet sie die Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere, die sich in Körper, Geist, Herz und Seele widerspiegeln. 

Kleine Übungen sollen uns helfen, den nächsten Waldausflug optimal für uns zu nutzen und wieder mit uns ins Reine zu kommen. Nicht nur philosophisch ist das Buch ein Highlight für mich, es schneidet auch die Themen der Achtsamkeit, japanische Mythen und Kultur und das Leben eines jeden Menschen im heutigen Zeitalter. 

Die 240 Seiten in kurzweiligen Kapiteln und Abschnitten kann man ganz entspannt angehen und fühlt sich danach rundum erholt.

Mal abgesehen vom Inhalt ist das Buch wunderschön aufgemacht. Nicht nur das Cover und die Innenseite des Buchdeckels sind ein Hingucker, auch die zahlreichen Abbildungen, Darstellungen und Bilder sind, jedes für sich, ein kleines Kunstwerk, in dem man sich verlieren kann.

Und wie siehts bei euch aus? Liebt ihr eher das bunte Treiben der Stadt oder genießt ihr lieber die Ruhe des Landlebens? 


Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.


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