Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden


Name: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden 

Autor: Genki Kawamura 

Seiten: 192 

Verlag: C. Bertelsmann 

Erschienen: 23.04.2018 

Kostenpunkt: 18€ 

Genre: Roman /Philosophie 


"Wie wäre es wohl, wenn alle Katzen von der Welt verschwänden?Wie würde sie sich verändern? Wie würde sich mein Leben verändern? Und wenn ich auf einmal von der Welt verschwände? Würde wie immer ein neuer Morgen anbrechen, ohne das auf der Welt sich etwas verändert hätte?"

Inhalt 

Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes …


Meine Meinung

Unser Protagonist, aus dessen Sicht wir die Geschichte lesen, wird von starken Kopfschmerzen geplagt. Der Arzt hat eine schlechte Nachricht für ihn: er hat einen Gehirntumor im Endstadium und nicht mehr lange zu leben. 

Am Boden zerstört, eilt unser Postbote nach Hause, wo er auf sich selbst trifft. Sein Doppelgänger, sein Gegenteil, ist der Teufel höchstpersönlich, der ihm einen Pakt vorschlägt. Für jeden weiteren Tag Leben, muss etwas von der Welt verschwinden. Die Entscheidung trifft jedoch nicht der Kranke, sondern der Teufel selbst. Schließlich sind es nur Kleinigkeiten, unwichtige Dinge, die niemand braucht, verspricht er, die verschwinden könnten. Wer hätte da nicht eingeschlagen?

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gepackt. Sie ist unfassbar originell und steckt voller Überraschungen, beinhaltet sehr viele traurige, aber auch komische Momente. Selten habe ich bei einem so kurzen Roman gelacht und bin gleichzeitig sehr nachdenklich geworden. 

Kawamura hat einen wunderbaren Weg zwischen Minimalismus und Tiefsinnigkeit gefunden, um die Geschichte zu erzählen. An manchen Stellen wirkt der Roman fast ein bisschen wie Poesie und ist wirklich sehr ergreifend. Wir treffen nur wenige Charaktere an, Namen spielen hauptsächlich nur bei "Eissalat" und "Weißkohl", den beiden Katzen, eine Rolle. Selbst der Protagonist bekommt keinen Namen. Was allerdings toll zur Geschichte passt, denn es geht schließlich genau um die Frage, welche Dinge auf der Welt "überflüssig" sind und auf was es wirklich ankommt. Mit jedem Gegenstand, der verschwindet, kommen die Vorstellungen von einer Welt ohne ihn, kommen aber auch die Erinnerungen, die mit ihm verbunden sind. Sind sie es wert, auf der Welt zu sein und brauchen wir Menschen sie überhaupt? 

Daneben bekommen wir einen schönen, aber auch traurigen Eindruck davon, wie es ist, Abschied zu nehmen. Von Dingen, an die wir uns gewöhnt haben, von Menschen, die wir lieben. 

 „Unsere Todesrate beträgt einhundert Prozent. Wenn man das bedenkt, ist es absurd zu behaupten, der Tod sei ein Unglück.“

Das Buch beinhaltet eine große Allgemeingültigkeit, vor allem weil Religion keinerlei Rolle spielt. Natürlich ist der Teufel hauptsächlich eine Gestalt aus dem Christentum, doch das Hauptaugenmerk liegt hier eher in der Philosophie, die für jede Kultur, jede Religion und jeden Menschen gültig ist.

Ich lege jeden diesem Roman an Herz, der etwas lesen möchte, dass sehr tiefsinnig und doch gleichzeitig wunderbar leicht zu lesen ist. Kawamura hat es auf 192 Seiten geschafft, mir den Sinn des Lebens zu erklären.  


✫✫✫✫✫/STERNE



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